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Unser Bild vom Kind 

Jedes Kind ist einmalig, wertvoll, individuell und hat seine eigene Persönlichkeit.

 

Es ist von Geburt an neugierig, erkundet seine Umgebung, experimentiert gern, ist spontan, fröhlich, forschend und bewegungsfreudig.

 

Das Kind entwickelt sich nach seinem eigenen inneren Bauplan und gibt sein eigenes Entwicklungstempo vor. Dazu benötigt es eine anregende und vorbereitete Umgebung.

 

Das Kind hat ein Recht auf umfassende Mitsprache und Mitgestaltung bei seiner Bildung und seiner Entwicklung (Partizipation).


Ein Kind

Ein Kind ist aus hundert gemacht

Ein Kind hat

hundert Sprachen

hundert Hände

hundert Gedanken

hundert Weisen zu denken

zu spielen und zu sprechen.

Immer hundert Weisen

zuzuhören

zu staunen und zu lieben

hundert Weisen zu singen und zu verstehen

hundert Welten

zu entdecken

hundert Welten

zu erfinden

hundert Welten

zu träumen.

Ein Kind hat hundert Sprachen

doch es werden  ihm neunundneunzig geraubt.

Die Schule und die Umwelt trennen ihm den Kopf vom Körper.

Sie bringen ihm bei

ohne Hände zu denken

ohne Kopf zu handeln

ohne Vergnügen zu verstehen

ohne Sprechen zuzuhören

nur Ostern und Weihnachten zu lieben und zu staunen.

Sie sagen ihm, dass die Welt bereits entdeckt ist

und von hundert Sprachen rauben sie dem Kind neunundneunzig.

Sie sagen ihm

dass das Spielen und die Arbeit

die Wirklichkeit und die Phantasie

die Wissenschaft und die Vorstellungskraft

der Himmel und die Erde

die Vernunft und der Traum

Dinge sind, die nicht zusammengehören.

Sie sagen also, dass es die hundert Sprachen nicht gibt.

Das Kind sagt: „Aber es gibt sie doch.

Loris Malaguzzi, Reggio Emilia 1985